Das Festival der Jugend 2012, das dieses Jahr vom 25. bis zum 28. Mai im Jugendpark am Rhein in Köln stattfand, ist zuende. Vier Tage lang diskutierten, chillten und feierten wir gemeinsam. Inzwischen sind die Zelte abgebaut, die Technik verstaut und die BesucherInnen wieder zuhause. Was bleibt, ist die Erinnerung an ein tolles Festival und auch das eine oder andere, was wir aus den politischen Runde mitnehmen konnten. An dieser Stelle bedanken wir uns für die zahlreichen Helferinnen und Helfer, ohne die das Festival nicht möglich gewesen wäre. Ebenso bedanken wir uns bei den Referentinnen und Referenten, die die Diskussionsrunden inhaltlich bereichern konnten. Und natürlich bei den vielen Besuchern, die das Festival zu dem gemacht haben, was es ist: Vier Tage Kultur, Politik und Party!

Wir hoffen, dass es euch genauso viel Spaß gemacht hat wie uns! Wir sehen uns spätestens 2014, beim nächsten Festival der Jugend!


Das Festival der Jugend lockte 1000 Besucher am Pfingstwochenende auf die Rheinwiesen in Köln. Bei einem Programm aus politischen Diskussionsrunden, Konzerten und Parties kamen Mitglieder, Freunde und Bündnispartner der SDAJ aus dem ganzen Bundesgebiet zusammen.

Das selbstorganisierte Fest wird traditionell alle zwei Jahre veranstaltet. In dutzenden Veranstaltungen diskutierten Vertreter der SDAJ mit befreundeten Organisationen, Gewerkschaften und Interessensvertretern aus Schulen und Betrieben über gemeinsame Aktionsmöglichkeiten. Schwerpunktthemen waren Strategien gegen Leiharbeit, die Zukunft der Bildungsstreikbewegung und der antifaschistische Kampf nach dem NSU-Skandal.

Internationale Gäste von den Geschwisterorganisationen der SDAJ aus Griechenland (KNE), Spanien (CJC) und Belgien (COMAC) analysierten die Auseinandersetzungen in ihren Ländern im Zuge der Krise und standen den Besuchern Rede und Antwort.

Die Bundesgeschäftsführung der SDAJ wertet das Festival als vollen Erfolg. „Erneut konnten wir mit unserem Fest unter Beweis stellen, dass unsere Organisation durch den Einsatz zahlreicher Helfer, durch die Unterstützung der DKP und unserer Bündnispartner in der Lage ist, ein sozialistisches Festival für mehrere hundert Dauergäste und ebensoviele Tagesbesucher zu veranstalten. Die politischen-, kulturellen- und sportlichen Highlights unseres Festivals machen uns fit für die vor uns liegenden Auseinandersetzungen in Schulen, Betrieben und auf der Straße“ so Björn Schmidt, Bundesvorsitzender des Jugendverbands.


Mighty Mammut Movement (Foto: Julius Krenz / www.juliuskrenz.com)

Coconut Butts und Derbst One haben für das Konzert am Samstag leider kurzfristig abgesagt. Aber keine Sorge, La Papa Verde wird nicht alleine die Bühne im Kölner Jugendpark bespielen. Sie kriegen spontane Verstärkung von MIGHTY MAMMUT MOVEMENT aus Düsseldorf und ALFONS MC aus Dortmund.

Die Zwölf aus Düsseldorf schreiben über sich selber: Aus “Mammut Almut” und “Mental Movement” wurde 2009 das einzigartige MIGHTY MAMMUT MOVEMENT, das sich zum Ziel gesetzt hat, mit ihrem Mix aus Rap, Reggae und Ska die Dancehalls der Nation zum Kochen zu bringen und das ganze noch mit einer positiven Message fern von Stereotypen zu verbinden.

Alfons MC, Rapper aus Dortmund, beschreibt den Sound auf seinem aktuellen Album mit folgenden Worten: „Musikalisch sorgen Sickpack und Minimal Orchestra für mal synthie- mal samplelastigen Hip Hop-Sound, während uns die Beats von Nafetz erlauben, auch mal ein wenig über den Rand des Hip Hop-Tellers hinauszuschauen.“

Update: Derbst One wird nun doch beim Festival auftreten, allerdings am Sonntag! Das Samstagsprogramm bleibt wie oben beschrieben.


Die Aufbau-Crews stehen in den Startlöchern, denn in wenigen Tagen beginnt das Festival der Jugend 2012 im Jugendpark Köln direkt am Rhein. Wer noch keine Tickets hat, sollte sich beeilen…

Inzwischen gibt es mehr Infos über den Bandcontest. Vier Bands werden am Freitag für euch auf der Bühne stehen. Jede Band hat 45 Minuten Zeit, der Menge richtig einzuheizen. Anschließend wird abgestimmt – die Gewinnerband bekommt extra Spielzeit – ihr entscheidet!

Los geht’s um 18 Uhr mit The OW’s aus Köln – “Wir sind The OW’s, eine junge Independent-Band aus Köln. Wir stehen für intelligente, abwechslungsreiche Musik. Wir nutzen die Musik, um unseren Gefühlen Ausdruck zu verleihen und die verschiedenen Facetten des Lebens zu beleuchten. Wir möchten Geschichten erzählen vom Älterwerden, von der Verwirrung der ersten Liebe, vom Großstadtleben… Deswegen klingen wir so, wie wir es tun: unverbraucht und authentisch.”

Um 18:45 spielen dann Cunning Maintrap aus Köln für euch. Die Band entstand Anfang diesen Jahres aus der Band Madame O, die sich umbenannte, da es schon eine andere Band mit ähnlichem Namen in den USA gibt… Auch haben Phry McDunstan (Leadgitarre/Vox), Tobi Schmidt (Bass) und Daniel Canni (Drums/Percussion) in Rafael Hupfeld einen fähigen Mitstreiter an der zweiten Gitarre gefunden, der den Sound der Band mit seinen Riffs und Licks bereichert. Man konzentiert sich nun zu viert, hauptsächlich auf völlig neues Material und die Suche nach einem Leadsänger, der die Gruppe komplettiert. Cunning Mantraps Songs sind stets interessant arrangiert,dennoch eingängig und wechseln fliessend zwischen Rock, Blues, Funk, Grunge, progressiven Einflüssen und teilweise sogar Metal-ähnlichen Riffs.
Die Band hat sich zum Ziel gesetzt, dem Hard Rock der späten 60er, frühen 70er, und 90er einen neuen Anstrich zu verpassen und ihm wieder seinen angestammten Platz zwischen all den Indie- und Metalklängen der heutigen Zeit zu geben. Mit viel Liebe zum Detail ist man stets bemüht, möglichst vielseitig und überraschend zu klingen und sich laufend weiterzuentwickeln…

Anschließend geben Memoria aus Köln ihr Können zum Besten. Die Reggae-, Ska- und Latin-Crew steht um 19:30 Uhr mit sieben Leuten auf der Bühne: Schlagzeug, 2 Gitarren, Bass, Saxophon, Keyboard, Posaune, Trompete und Gesang werdem euch mächtig einheizen: Es darf getanzt werden!

Zur Primetime des Privatfernsehens, nämlich um 20:15 Uhr, wird schließlich die Band Etno Selo aus Bochum auf der Bühne stehen. Die Band aus dem schönen Bochum beschreibt sich so: “ethnoalternative, frisch nach kuhscheiße duftend und exklusiv aus dem freilichtmuseum. wir tragen keine dirndl.” Damit ist wohl alles gesagt ;-)

Um 21:10 Uhr wird dann die Gewinnerband nochmal on Stage ihr musikalisches Repertoire präsentieren.


Ellen Schernikau liest auf dem diesjährigen Festival der Jugend aus den Werken ihres früh verstorbenen Sohnes, Ronald M. Schernikau.

Geboren in der DDR, aufgewachsen in der BRD, ist Schernikau der junge Homosexuelle, der nicht an der piefigen Kleinstadt scheitert, sondern sie an ihm. Auch die Leichtigkeit des früheren Westberlins prallt an ihm ab, Ronald wird kurz vor der Wende DDR-Staatsbürger.

Konsequent in seinen Analysen, urteilt er stets mit zärtlicher Schärfe. Mit Passagen, die zum lauten und mehrfachen lesen verführen, schuf Schernikau Literatur in einem wiederzuentdeckenden Sinne – als Spiegel der Verhältnisse.

POSITION führte ein Interview mit seiner Mutter, Ellen Schernikau, die seit Jahren auf Veranstaltungen aus seinen Werken ließt.
Online veröffentlichen wir das Interview ungekürzt, in voller Länge.

POSITION: Ellen, warum glaubst du, dass es sich auch heut noch für junge Leute lohnt, Ronalds Texte zu lesen?

Ellen: Ich denke, dass die Texte, die Ronald geschrieben hat, zeitlos sind. Dass sie sozusagen immer Gültigkeit haben. Es gibt natürlich bestimmte Bezüge, die sich überholen, das ist logisch. Aber die Kernaussage gilt eigentlich immer. Und eine seiner Kernaussagen ist: „nichts anderes ist, als was wir daraus machen“ Das zum Beispiel. Das ist das Ende eines Gedichtes, das heißt “bach”.

Oder zum Beispiel aus “tage in l.” – wie er sagt, “es gibt eine einfache probe. frage jemanden nach seinem ideal und frage ihn nach der wirklichkeit. wenn er beginnt, sein ideal zu besingen, geht es los. wenn er über die wirklichkeit lamentiert, vergiß ihn.” Klar weiß er, dass man das Schlechte der Wirklichkeit benennen muss, und man muss einfach auch mal klagen, man muss sich ärgern und aufregen. Aber wenn es dabei bleibt, dann ist es schade um die eigene Zeit und das eigene Leben.

Also ein Mensch ohne Ideal, das fand er und das teile ich vollständig, der ist eigentlich arm. Das sind so ein paar Beispiele, die man fortsetzen kann. Das mache ich auf den Lesungen. Das macht Mut, mit diesen Texten. Diese Reaktion erfährt man auch an sich selbst, wenn man das so liest.

POSITION: Über deine eigene Lebensgeschichte erfährt man viel in dem Buch „Irene Binz. Befragung“, das Ronald geschrieben hat. Wie kam es denn zu der Idee?

Ellen: Ronald kam eines Tages und sagte: Du hast so vieles erlebt, diese Ost-West-Geschichte und ich brauche neuen Stoff und kann ich das nicht aufschreiben. Da hab ich erst mal gesagt: Nee, ich hab mir auch schon mal gedacht, wenn ich selber mal Zeit habe, Rentnerin bin, dann mach ich das selber. Weil ich selbst auch sehr gern schreibe. Beim nächsten Besuch hat er dann wieder so rumgestottert und willst du nicht, kann ich nicht und da hab ich mir gedacht, ach, na klar. Wenn ich das selber schreibe dann wird’s vielleicht auch ein bisschen kitschig und sentimental und das ist eigentlich gut, wenn er das macht. Und dann hab ich ihm meine Geschichte geschenkt.

Und dann kam er an, mit einem Tonbandgerät und dann haben wir ein ganzes Wochenende zusammen gesessen und haben wirklich zwischendurch einfach mal was gegessen, waren auf dem Klo oder haben mal geschlafen aber eigentlich haben wir ein ganzes Wochenende lang mal nur geredet, geredet – ich vor allen Dingen – er hatte seine Fragen, und so ist das entstanden. Und dann sind da 600 Schreibmaschinenseiten draus geworden. Die hat er zusammengeschnitten auf 150 Seiten. Dann wollte er das gerne in der DDR veröffentlichen und die DDR mit ihren sehr ängstliche Lektoren, die haben das abgelehnt. Weil sie das aus mehreren Gründen nicht druckbar in der DDR fanden. Ein Grund war: man kann den Leuten nicht erzählen, dass jemand aus Liebe rübergegangen ist. Geht halt nicht. Man verrät das Land nicht. Da haben sie sicherlich irgendwo recht. Trotzdem fand ich das damals kleinlich, weil das hätte eine Diskussionsgrundlage sein können für gute Diskussionen. Aber da waren sie ein bisschen engstirnig.

POSITION: Wie bei so vielen Werken Ronalds, dieses Problem hat sich ja zeitlebens durch Ronalds Leben gezogen. Sowohl in der BRD als auch in der DDR hatte er Schwierigkeiten. Was waren denn da die Argumente? Womit hatte er zu tun und zu kämpfen?

Ellen: „Man schreibt sowas nicht, sowas gehört nicht in die Öffentlichkeit.“ Und im Westen haben die Verlage dann gesagt er ist zu weit links. Und dann auch noch homosexuell. Das hat ihnen dann auch wieder nicht gepasst. Beide Seiten fanden ihn zu radikal. Und trotzdem hatte er den Wunsch, in der DDR zu leben, obwohl er wusste, dass er da nicht gedruckt wird. Aber er war in der Hoffnung, dass eines Tages die Leute vernünftiger werden. Oder offener. Und er hat immer gesagt, wenn ich das Land, was ich liebe, also die DDR, kritisiere, dann verstehe ich überhaupt nicht, dass sie die Kritik nicht annehmen, denn ich kritisiere doch nur dann, wenn ich will, dass sich was verbessert. Eine konstruktive Kritik macht man ja nicht, um jemanden nieder zu machen sondern um ihn aufmerksam zu machen und das wollte er. Er wollte einfach ins Gespräch kommen. Und dazu waren die DDR-Leute nicht bereit. Dazu waren sie nicht selbstkritisch genug.

POSITION: Obwohl deine Eltern mit Hitler sympathisiert haben, bist du überzeugte Kommunistin. Wie kam denn das? Warum hat der Sozialismus dir so eingeleuchtet?

Ellen: Ich denke, ich hatte gute Lehrer. Immer wenn ich mit diesen Fragen zu “Früher” nach Hause kam, da wurde nicht drauf reagiert. Oder das wurde einfach negiert. Und ich hab so viel in der Schule gelernt. Über das, was das sogenannte dritte Reich wollte, die Ziele, die Verfolgung, so dass ich glaubte, dass sowas einfach nicht mehr vorkommen darf, man dem den Boden entziehen muss. Und da wurde sozusagen bei mir “gesät” und die Saat ist auf fruchtbaren Boden gefallen. Das hat mir eingeleuchtet.

Und dadurch, dass ich immer schon ein kommunikativer Mensch war und gesellschaftlich gerne tätig, hatte ich darüber gleich auch immer Funktionen und hab auch gut argumentieren können. Dann bin ich darüber in die FDJ gekommen, über den Pionierrat. Und in die Partei. Und so bin ich meinen Weg gegangen. Und hab mich nicht beirren lassen von den Fehlern, die wir gemacht haben. Die zwar schmerzvoll waren – ich hab Jahre gebraucht, um nicht zu weinen, wenn bestimmte Themen angesprochenen wurden, weil ich manchmal nicht wahrhaben wollte, was wir für Schwächen hatten, und bin trotzdem dabei geblieben, weil ich weiß, dass der Marx recht hat. Dass dieses System keine Zukunft hat. Und ich freue mich, dass ich bei dem Experiment dabei war. Es ist zwar schiefgegangen – leider – aber es war halt zu schwach. Deshalb konnten die anderen es auch gut killen. Etwas kann ja auch eher gekillt werden, wenn etwas schwach ist. Und diese Schwächen haben wir selber nicht so gesehen. Wir haben uns überschätzt, wir haben gedacht wir wären stärker.
Nächstes Mal wird’s besser.

POSITION: Na, wir arbeiten dran!

Ellen: Genau, und dafür brauchen wir euch! Die Jugend! Also wenn ich mir vorstelle, 50 Jahre war ich aktiv, aber irgendwie wird man auch müde und verleugnet sich zwar nicht, auf keinen Fall, aber ich habe nicht mehr die Kraft. Und da müsst ihr jetzt ran. Ihr seid jung und habt auch wieder andere Ideen und das ist auch gut so.

POSITION: Obwohl du ja so sehr hinter der DDR stehst, bist du umgesiedelt in die BRD. Warum war das denn der Fall?

Ellen: Das war nicht aus politischen Gründen, sondern weil der Vater von Ronald drüben gelebt hat. Und ich hatte immer das Gefühl, ich muss dem Kind einen Vater geben und ich hab den Mann auch geliebt. Wollte mehr Kinder mit ihm. Und ich muss auch sagen, als der 13. August ’61 kam, also die Mauer gebaut wurde, hatte ich das Gefühl, jetzt haben mir andere das Problem abgenommen, weil ich nie richtig wusste, wie mach ich’s richtig. Geht mein Privatleben vor, also meine Wünsche, meine Gefühle, oder muss ich nicht in meinem Land bleiben und am Aufbau mithelfen? Das hat mich viel Kraft gekostet. Sodass der 13. August erstmals eine Art Ruhe reingebracht hat.

Ich hab gedacht: gut, jetzt sehe ich ihn vielleicht nicht wieder. Aber ich hab gespürt, dass es für mich eigentlich ganz gut war, ich war beruhigt. Dann bin ich aber doch rüber gegangen, weil er über so eine Fluchthelfergesellschaft die Gelegenheit hatte, für ‘nen Haufen Geld, uns zu holen. Dann hab ich’s mir auch nicht leicht gemacht. Dennoch habe ich mich für meine privaten Gefühle entschieden. Was man nicht unbedingt nachvollziehen muss, aber es war halt so.

POSITION: Und was hat dich dabei am meisten geschmerzt?

Ellen: Das ich nicht mehr teilhaben konnte. Am weiteren Verbessern der Situation. Dass ich das, was selbstverständlich war, aufgeben musste. Ich kannte ja die Verhältnisse, die im Westen herrschten, zwar nur aus Berichten oder aus dem Unterricht, aber ich wusste das da vieles – gerade was Soziales, Bildungsmäßiges und Gesundheitliches anbelangte – bei uns gut war. Und dass ich das jetzt verlassen muss und diese Ungewissheit, in welche Verhältnisse mein Kind kommt, wie es im Westen aufwachsen würde, das war für mich fast bedrohlich. Und trotzdem hab ich’s gemacht.

Mit dem Wissen von heute würde ich’s nicht mehr machen. Doch damals konnte ich nicht anders und dazu stehe ich. Es gab damals viele aus meinen Reihen, die das nicht verstanden haben und auch heute gibt es noch welche. Aber das ist nun keine frage mehr. Ich hab’s getan und das bin ich.

POSITION: Und Ronald? Warum ist er wieder zurückgegangen? Waren dass die Gründe weshalb er generell rüber gegangen ist? Was war da sein Interesse?

Ellen: Er kannte die DDR ja nur als kleines Kind, bis 6. Da kriegst du ja nicht viel mit. Und dann hat er studiert in Leipzig und hat den Alltag kennen gelernt. Und dann hat er während der 3 Studienjahre gesehen, dass das Anliegen der sozialistischen Idee so gut ist, dass er dabei sein wollte, sie immer weiter zu verwirklichen. Obwohl er wusste, dass er ihnen zu radikal ist. Aber das ging ihm nicht unbedingt um dieses Persönliche. Er wollte einfach dabei sein. Das war die eine Seite. Die andere Seite war, dass er in einer gesicherten Position dort arbeiten konnte. Obwohl er nicht veröffentlicht werden würde, wusste er, dass er dort produzieren kann und dass er ein Recht auf Arbeit hat ein Recht auf eine Arbeitsstelle. Was es ja einfach im Westen nicht gab und auch nicht gibt.

POSITION: Wie kam es denn überhaupt, dass der Ronald den Kommunismus für vernünftig befunden hat?

Ellen: Also der Anfang bin sicherlich ich. Ich war ja seine Bezugsperson und er hat mitbekommen wenn ich von der DDR gesprochen habe. Da sind Lügen über die DDR erstmal abgeprallt. Und ich habe ihm Bücher aus der DDR kommen lassen.

Und ich habe ausschließlich gute Literatur gelesen und er auch. Ich war immer bemüht, ihn keinen Kitsch lesen zu lassen oder keine oberflächlichen Dinge. Und er kannte meine Einstellung und hat die sicherlich als Kind erstmal für wahr befunden. Die Umwelt formt ja den Menschen. Aber jetzt kam ja die Schule dazu. Und es hätte durchaus sein können, dass er eher den Lehrern geglaubt hätte, so wie es mir mit meinen Eltern gegangen ist. Und dass er mich nicht mehr ernst genommen hätte. Das ist aber nicht passiert.

POSITION: Was war denn das für Literatur, die er gelesen hat?

Ellen: Ich weiß zum Beispiel, dass er mit 14 schon den Faust gelesen hat. Ob er das alles verstanden hat weiß ich nicht. Aber mit Interesse hat er das gelesen. Er hat die ganzen Klassiker gelesen. Goethe, Schiller, und ich weiß noch, dass er mal aus dem Kinderbuchverlag der DDR mit acht ein Buch ab 12 gelesen hat. Meine Mutter hat ihm das aus der DDR mitgebracht hat. Als Geschenk. Und zwar waren das die Shakespeare-Stücke als Märchen für Kinder. Sodass er recht früh schon mit den Figuren von Shakespeare und mit der Stilart, mit Sonetten bekannt wurde. Und sich da literarisch, belletristisch, auch selber weiter gebildet hat. Er hat alles gelesen was ich hatte. Und ich hatte halt nie Schund. Immer gute Schriftsteller, ob das nun Hermann Kant war oder Brecht, ganz viel, oder Heym. So hat er sich auch geistig gebildet. Und hat sich nie davon abbringen lassen, hat nie irgendwelche schlechten Sachen gelesen. Natürlich mit Einschränkung – er hat auch mal die Bravo gelesen. Die geht ja an keinem vorbei. Und auch den Superman. Aber er ist eben nicht dabei geblieben.

POSITION: Und wie ist er schließlich zu SDAJ gekommen?

Ellen: Er hat da irgendwann Infomaterial gesehen und wusste gar nicht was das ist, brachte das mit und wir haben das zuhause gelesen. Und wir wussten gar nicht, dass es die DKP gab. Wir haben von den sogenannten 68er Jahren zum Beispiel gar nichts mitbekommen. Erstens mal waren wir in der Kleinstadt, da ist sowieso politisch null, und zweitens mal waren wir ja grade erst zwei Jahre drüben, da hatten wir andere Sorgen. Diese Enttäuschung, den Vater doch nicht zu bekommen und doch keine Familie zu bekommen, die war gegenwärtig. So das wir uns versucht haben, den Alltag so schön wie möglich zu machen. Da hat uns die Umwelt gar nicht gekümmert.

POSITION: Und wie war sein Verhältnis zur SDAJ?

Ellen: Er ist ja recht früh in die SDAJ eingetreten, mit 16, und brachte immer Material mit nach Hause, ist auch ein halbes Jahr später in die DKP eingetreten.

Auf der einen Seite war er froh, Leute kennen zu lernen, die so denken wie er. Jugendliche die so sind wie er. Die Kritik war, dass man mit seinem Schwulsein nicht zurecht gekommen ist. Das war ein Konflikt für ihn, dass ein Jugendverband oder ein Partei, die ja doch sehr offen ist, aber an manchen stellen so blöd. Das hat ihn enttäuscht. Einen hat er kennengelernt, der auch beides war, Kommunist und schwul. Die haben sich dann viel unterhalten. Aber sonst war das ein Tabu-Thema. Das war dann ’76. Da redete man nicht offen darüber.

Und was auch seine Kritik war: Er hat früh gemerkt, dass er gern schreibt. Einmal hatte er sich für ein Poeten-Seminar in der Karl-Liebknecht-Schule angemeldet. Und das fanden die Genossen aus der Gruppe da nicht so wichtig. Und erst viel später haben sie mir mal gesagt, nach Ronalds Tod, sie haben den Ronald damals nicht verstanden. Warum wissen sie selber nicht. Für die kamen nur politische Themen infrage und das war auch sehr befremdlich für Ronald und mich. Denn wenn es solche Themen doch schon angeboten gibt, dann muss man doch damit rechnen, dass sich jemand dafür meldet?! Das waren so ein paar Widersprüche. Aber wie das so ist, die Grundlinie stimmte. Und er ist auch immer dann dabei geblieben. Und er hatte immer Kritik, war immer einer von denen, die gerade raus ihre Meinung gesagt haben. In dem Bestreben, dass es besser wird. Dass man mehr zu sich steht und fähiger wird.

POSITION: Was hat er denn immer so gemacht, hatte er bestimmte Funktionen?

Ellen: Der war immer aktiv. Im Redaktionskollegium etwa. Da war er schon in der sechsten Klasse. Die anderen waren alle so elfte, zwölfte. Da war er schon dabei die Schülerzeitung mitzugestalten. Und da hab ich auch heute noch einige Artikel.

Und später war er in der DKP auch im Gruppenvorstand, da hat er auch die Zeitung für Hannover gemacht. Es war immer sein Bestreben, sich zu äußern. Nicht einfach nur als Parteimitglied rumzusitzen und zuzuhören, was da vorne jemand verkündet, sondern er wollte immer mitmachen. Aktiv sein. Und da ihm das Schreiben lag, liegt es ja nahe, dass einer sich da betätigt. Er konnte gut formulieren. So war er eben auch im Gruppenvorstand, der hat immer aktiv mitgewirkt und kritisiert. Und das ist so geblieben. Bis zu seinem Tod.

Und „die tage in l.“ steckt voller Kritik. An der DDR. Obwohl er die geliebt hat. Aber er hatte eben diese Kritik. Sodass nicht mal das in der DDR veröffentlicht werden konnte. So blöd war man damals. Also sein Mentor, der Leiter des Literaturinstituts in Leipzig war, der hat immer gesagt: „die tage in l.“ müsste in die Schulen der DDR. Das hat niemand gemacht. Und so ist es auch wieder im Westen verlegt worden.

POSITION: Wie war das mit den anderen Werken?

Ellen: „legende“ hat er vier Wochen vor seinem Tod noch fertig gestellt. Und da haben Thomas Keck, sein Lebenspartner und ich auch acht Jahre gebraucht, denn wer verlegt schon 600 Seiten über was, wo es auch wieder um Ost und West geht. Auch noch verpackt in so ‘ne Engelsgeschichte. Das war nicht einfach. Dann hat der Thomas Keck viele Artikel, die schon veröffentlicht waren oder die auch im Nachlass herausgesucht wurden als „Königin im Dreck“ herausgegeben.

POSITION: Also war Ronald auch anders publizistisch tätig?

Ellen: Ja, der hat sich Geld verdient als Journalist. Einmal um sich zu äußern und natürlich auch um Geld zu verdienen. Muss man ja. Und da ist in den linken Zeitungen immer wieder was von ihm gewesen. Ich weiß nicht wie viel insgesamt.

Und dann ist die „Irene Binz“ jetzt erst rausgekommen, zum 50. Geburtstag. Die ist er damals auch nicht losgeworden. Da hat er damals auch eine Kunstform raus entwickelt, in Blankversen. Das findet man in der „legende“. Das ist darin ein bisschen untergegangen. Die liest sich auch so schon nicht leicht.

POSITION: Zu welchem Werk würdest du jetzt im Moment als erstes greifen?

Ellen: „legende“. Weil das so vielschichtig ist. Obwohl ich das ja mindestens drei Mal lesen musste. Ich hab’s ja mit korrigiert. 2 Mal. Da hab ich manches nicht verstanden. Heute ist das so ein Buch für den Nachttisch. Das kann man aufschlagen wo man will, man kann zu jedem Thema was finden. Ob das eine Erzählung ist oder ein Märchen oder Interviews, oder einfach subjektive Aussagen. Das ist wirklich wie eine Bibel, so hat der Ronald das auch geschrieben. Der hat sie auch zweispaltig geschrieben. Du schlägst es auf und liest dich fest. Und wenn dich was nicht so interessiert, dann blätterst du weiter und du stößt hundertpro auf eine Stelle die dich interessiert. Über die du nachdenken kannst. Und das ist das schöne daran. Sein Opus Magnum, sein großes Werk.

POSITION: Zum Festival der Jugend: Wir sind sehr froh, dass du unsere Einladung angenommen hast!

Ellen: Also, ich bin hochbeglückt! Also muss ich dir wirklich sagen, ich hab mich riesig gefreut als du angerufen hast. Darüber, dass ihr, die ihr meine Enkel sein könntet, dass ihr Interesse habt an mir und an meiner Generation und an dem was wir so erlebt haben. Freu ich mich.

Das Interview führte:
Lea, Essen


Nachdem das politische Programm des Festivals der Jugend 2012, das vom 25. bis zum 28. Mai in Köln stattfinden wird, bereits um eine Diskussionsrunde zum Fall „Simon Brenner“ ergänzt wurde, wird nun auch das Kulturprogramm erweitert:

So soll es eine Vorführung des Dokumentarfilms „Zeit für Zeugen“ geben, der an das Lebenswerk von Ettie und Peter Gingold erinnert, die beide als junge Erwachsene während der Okkupation des faschistischen Deutschland in der französischen Widerstandsbewegung Résistance kämpften. Sie leisteten entschiedenen Widerstand unter Einsatz ihres Lebens, waren 1944 an der Befreiung von Paris beteiligt und blieben ihr Leben lang als Kommunisten und Antifaschisten in der BRD aktiv im Einsatz für eine freie und demokratische Gesellschaft. Insbesondere engagierten sie sich gegen jede Tendenz von neuem Faschismus, Antisemitismus und Rassismus. Als Zeitzeugen traten sie vor Schulklassen, Jugendgruppen und auf Demonstrationen und Kundgebungen auf.
Der Film beinhaltet Interviews mit den Gingolds, historische Aufnahmen sowie Interviews mit 24 Weggefährten.

„Zuviel an Not und Tod, an KZ-Qualen, an Verwüstung und Vernichtung, an millionenfachen Mord hat der Faschismus gebracht, sodass es nichts Wichtigeres geben kann, als Aufstehen gegen jede Erscheinung von Rassismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Neofaschismus, Militarismus.“ – Peter Gingold


Beim Ende Mai in Köln stattfindenen Festival der Jugend 2012 wird das politische Programm erweitert. Neu ist der Vortrag vom Arbeitskreis Spitzelklage mit dem Titel „Von Spitzeln und wie wir uns dagegen wehren können“, der sich mit dem Heidelberger Spitzelskandal um „Simon Brenner“ befassen wird.

Fast ein Jahr lang gewann der Verdeckte Ermittler Simon Bromma Einsicht in politische Aktivitäten und private Bereiche links orientierter Personenkreise in Heidelberg und Umgebung. Getarnt als ordentlich immatrikulierter Student „Simon Brenner“ sammelte er ab Winter 2009 umfangreiche Informationen über Strukturen und Einzelpersonen, bis er am 12.12.2010 zufällig enttarnt werden konnte. Das Vorgehen von LKA, baden-württembergischem Innenministerium und Heidelberger Polizeidirektion, die noch weitere, bisher unbekannte Verdeckte ErmittlerInnen in Heidelberg eingesetzt hatten, ist schockierend, aber Teil zunehmender Repression – vor allem gegen die außerparlamentarische Antifa-Szene, das eigentliche Einsatzziel der Spitzel.
Ein Bericht der ins polizeirechtsstaatliche Visier geratenen „Zielperson“ und über die von sieben Menschen angestrengte Fortsetzungsfeststellungsklage gegen den mit geheimdienstlichen Methoden widerrechtlich durchgeführten Einsatz.

Bei Runde „Übernahme statt Leiharbeit! – Wie wirkt Leiharbeit und wie lässt sie sich zurück drängen?“ werden wir mit der IG Metall Jugend und betrieblichen Jugendvertretern diskutieren.
Leiharbeit boomt nach wie vor – die Zahl der LeiharbeiterInnen liegt mittlerweile bei um die 900.000 – mit verheerenden Folgen. Welche Auswirkungen hat Leiharbeit – nicht nur für die Betroffenen, sondern für die gesamte Arbeiterklasse? Was sind die richtigen Forderungen im Kampf gegen Leiharbeit? Gleicher Lohn für gleiche Arbeit oder Leiharbeit verbieten? Ist die unbefristete Übernahme ein geeignetes Mittel, um Leiharbeit einzudämmen? Welche Möglichkeiten gibt es, Leiharbeit im Betrieb zurückzudrängen? Und vor allem: Wie können wir gemeinsam politisch gegen Leiharbeit kämpfen?

Interessant wird sicherlich auch die Runde „Strategien gegen die Krise – Wie kämpft die Jugend in Griechenland, Portugal, Spanien?“, denn die Krise in Griechenland ist in aller Munde, aber auch in anderen Ländern werden rigorose Sparpakete gegen den Willen der Bevölkerung durchgedrückt. Und auch in diesen Ländern regt sich Widerstand, viele Dinge verbinden sie über Ländergrenzen hinweg manche unterscheiden sich.
Mit Vertretern der kommunistischen Jugenden von Griechenland, Portugal und Spanien wollen wir über die Kämpfe in ihren Ländern diskutieren & ihre Situation genauer beleuchten. Vor allem wollen wir erfahren was für Einschätzungen hinter der unterschiedlichen Strategie & Taktik gegen das Troika-Diktat stecken.

Alles was ihr über die SDAJ wissen wollt und euch schon immer gefragt habt“ – mit dem aktuellen und einem ehemaligen Bundesvorsitzenden werden in dieser Runde beantwortet:
Wer ist eigentlich diese SDAJ und was macht sie sonst so außer diesem Festival? Mit dem Bundesvorsitzenden der SDAJ, Björn Schmidt, wollen wir die Arbeitsfelder der SDAJ beleuchten und herausfinden warum wir den Kapitalismus letztendlich überwinden müssen um unsere Rechte auf Bildung, Arbeit und Ausbildung umzusetzen. Wir klären welche Rolle der Marxismus-Leninismus für uns spielt und wie sich unsere Theorie in Kämpfen wie dem Bildungsstreik widerspiegelt? Mit dem ehemaligen Bundesvorsitzenden Patrik Köbele diskutieren wir um die Praxis und die Rolle der SDAJ in Tageskämpfen und politischen Bewegungen von der Gründung der SDAJ im Jahr 1968 über den Spaltungskongress von 1989 bis heute. Wir diskutieren über unser Organisationsverständnis und die Notwendigkeit sich zu organisieren. Neben spannenden Beiträgen von Björn Schmidt und Patrik Köbele geht es hier aber vor allem um euch! Eure Fragen, Kritik, und Diskussionsbeiträge sind erwünscht.

Zum Thema „Widerstand gegen den deutschen Faschismus“ wird uns der Zeitzeuge Lorenz Knorr aus seinen Erfahrungen berichten. Lorenz Knorr hat ein außergewöhnlich aktives, bewusstes und kämpferisches Leben geführt und ist als Zeitzeuge für uns ein großer Gewinn. Gespannt sind wir auf Geschichten aus seinem Leben und Erfahrungen, die uns den antifaschistischen Widerstand näher bringen und uns für unseren heutigen Kampf lernen lassen. Lorenz Knorr wurde 1921 im deutschen teil Tschechiens als Sohn von Gewerkschaftsfuntionären geboren. Nach dem Münchener Diktat 1938 wurde der deutsche Teil Tschechiens an das Deutsche Reich angeschlossen. Lorenz Knorr beteiligte sich an der Verteilung von antifaschistischen Publikationen, trat der Wehrmacht bei und beteiligte sich an Sabotageakten an Rüstungstransporten, sowie der Sprengung von Munitionslagern und organisierte so auch den antifaschistischen Widerstand aus der Wehrmacht heraus. 1942 und 1944 stand er daher wegen “Wehrkraftzersetzung“ vor Gericht und wurde veruteilt.
Auch nach dem Faschismus blieb er dem Antifaschismus und der Friedensbewegung treu. Lorenz Knorr war u.a. Bundessekretär der Falken, Mitbegründer der Deutschen Friedens Union und Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen.

Joachim Guillard wird unter dem Titel „Hände weg von Iran & Syrien“ zum Hintergrund der Kriegsdrohungen referieren, denn der Ton gegenüber dem Iran und Syrien verschärft sich. Die Kriegsrhetorik wird lauter und schärfer. Doch was steckt hinter den Kriegsdrohungen? Wie sind die Protagonisten vor Ort einzuschätzen? Wer hat ein Interesse an einem Krieg gegen Iran und Syrien und wie können wir gegen die drohenden Kriege aktiv werden? Diese und weitere Fragen werden wir gemeinsam mit unserem Referenten Joachim Guillard diskutieren.

Unter dem Titel „Nazifreie Zonen schaffen!“ wird es Multimediale Abschlussveranstaltung mit einem Mix aus Politik-, Kultur- und Spaßprogramm geben, die auf Aktionen und Erfolge der letzten Monate zurückblickt: Was ist gelaufen, was haben wir erreicht? Das Programm garantiert einen guten Mix aus Politik, Kultur und Spaß. Das Antifa-Quiz testet Demo-Skills, aktuelles historisches und theoretisches Know-How – alles, was gute AntifaschistInnen können müssen! Last but not least werden natürlich die SiegerInnen des Fußballturniers und des Fünf-Kampfes gefeiert.


Das Festival der Jugend 2012, das vom 25. bis 28. Mai 2012 im Jugendpark in Köln stattfinden wird, bietet neben dem umfangreichen politischen Programm natürlich auch ein reichhaltiges Kulturprogramm.

So soll es unter dem Motto „kick together! Fußballspielen für Freundschaft und Solidarität, gegen Rassismus!“ ein antirassistisches Fußballturnier stattfinden. Wir wollen an diesem Wochenende gemeinsam Fußballspielen, als Zeichen gegen Rassismus und für Fairplay, Völkerfreundschaft, Solidarität und Frieden! Das Runde muss in das Eckige!

Ebenso wird es eine Lesung mit Ellen Schernikau geben. Sie liest aus den Werken ihres früh verstorbenen Sohnes, Ronald M. Schernikau. Geboren in der DDR, aufgewachsen in der BRD, ist Schernikau der junge Homosexuelle, der nicht an der piefigen Kleinstadt scheitert, sondern sie an ihm. Konsequent in seinen Analysen, urteilt er stets mit einer zärtlichen Schärfe. Mit Passagen, die zum lauten und mehrfachen lesen verführen, schuf Schernikau Literatur in einem wiederzuentdeckenden Sinne: Literatur als Spiegel der Verhältnisse.

Auch eine Poetry-Slam, bei dem lokale, aber auch überregionale Slammer und Slammerinnen mit selbstgeschriebenen Texten – von Kurzgeschichten bis Gedichten – gegeneinander antreten, soll es geben. Nicht fehlen darf natürlich auch der Theaterworkshop zu Berthold Brecht „Die Mutter“.

Weitere Infos zum Kulturprogramm folgen.


„Die Mutter“ von Bertold Brecht als Theaterworkshop auf dem Festival der Jugend!

Denn Ende Mai findet in Köln wieder das Festival der Jugend der SDAJ statt. Neben den bekannten Diskussionsrunden, Musik und Sport wird es dieses Mal einen ganz neuen Versuch geben: Einen Theaterworkshop!

Und was für einen! „Die Mutter“ von Bertolt Brecht, also ein echter Klassiker über revolutionäre Techniken und Menschen soll nämlich dort aufgeführt werden.

Denn die Hauptfigur ist anfänglich nur eine gewöhnliche, alte Frau ohne Klassenbewusstsein vor der russischen Revolution. Erst durch die Aktivitäten ihres Sohnes als Revolutionär und der Repressalien, die er und sie deshalb durch den Staat erfahren, wechselt sie den Standpunkt und wird selbst zur Kommunistin, die keine Mühen scheut und sich selbst und andere Arbeiter bildet und aller Orten agitiert.

Ich möchte allerdings die Figur der „Mutter“ durch die eines Mädchens ersetzen, das durch ihren älteren Bruder zur Politik kommt – so wird die ganze Handlung des Stücks sich mehr an die Lebensrealität der Akteure und Zuschauer im Jahr 2012 anpassen. Vielleicht sollten wir’s dann lieber „Die Schwester“ nennen… ;)

Du findest die Idee cool und möchtest mir irgendwie helfen? Dann gibt es drei Möglichkeiten für dich:

  1. Brecht hat im Kommentar zu vielen seiner Stücke geschrieben, dass man hier und da Szenen durch eigene Erfahrungen ersetzen könne, vielmehr sogar solle, weil Schauspieler (und Zuschauer) mehr aus dem „richtigen“ Verhalten in ihnen bereits bekannten Situationen lernen können. Um Brecht gerecht zu werden, brauche ich deshalb die Eindrücke aus realen Situationen, die dir widerfahren sind. Vor allem sind mir Punkte wichtig, die jedeR schonmal erlebt hat, also z.B. ein Gruppenabend, ein Bildungsabend zum Thema Politische Ökonomie oder auch Streitigkeiten innerhalb der Gruppe.

    Aber auch die Repression, die wir alltäglich erleben, seien es Hausdurchsuchungen oder Untersuchungshaft oder auch Angriffe der Polizei auf friedliche Demonstrationen. Auch härtere Bandagen wie der Einsatz von Wasserwerfern, Knüppeln usw. oder die Angriffe von Neonazis sind interessante Themen, die wir in diesem Stück gemeinsam verarbeiten wollen. Hilfreich können auch einzelne Erinnerungen an Gespräche oder optische Eindrücke und Gefühle sein, also alles, was dich im Rahmen einer dieser Situationen irgendwie bewegt, bei dir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

    Auch wenn du mit deiner Geschichte nicht das Scheinwerferlicht auf der Bühne suchst: Teil mir bitte deine Erfahrungen mit, wir brauchen deine Kenntnisse für ein fundiertes Stück und die Zukunft – Wissen ist Macht, gerade im politischen Kampf!

  2. Doch damit das ganze Theaterprojekt sich überhaupt realisieren lässt, suche ich natürlich Menschen, die Spaß am Theater oder am Schauspiel haben oder es einfach mal versuchen wollen und bestenfalls auch schon einmal eine oder sogar mehrere der Situationen erlebt haben, und dabei helfen können, eine coole Inszenierung auf die FdJ-Bühne zu stellen. Dabei brauchen gerade die Unerfahrenen keine Angst zu haben: Ich habe eine Menge Erfahrungen in der Arbeit mit Laien gesammelt und Theaterexperimente machen unglaublich viel Spaß! Außerdem wird für jedeN, die passende Rolle zu finden sein – und die Aufführung selbst wird auch in keinem Falle länger als 20 Minuten dauern. Also, keine Angst! Allerdings muss dir bewusst sein, dass trotz allem Spaß, den wir zusammen haben werden, das ganze Projekt uns doch einige Stunden Arbeit auf dem FdJ kosten wird.

  3. Du hast nicht das Gefühl, mit deinen Erfahrungen zum Text beitragen zu können – glaube mir, du kannst! – und du siehst dich auch nicht auf der Bühne oder du weißt schon jetzt, dass du auf dem FdJ selbst keine Zeit haben wirst, weil du schon in zu vielen Projekten involviert bist? Kein Problem: Dann sprich doch deine Genossinnen und Genossen, sowie deine Freundinnen und Freunde darauf an, ob sie nicht Interesse daran hätten, mitzumachen!

Wenn du dich beteiligen möchtest oder noch ein paar deiner Fragen offen sind, dann schreib mir doch einfach eine E-Mail: theaterworkshop@festival-der-jugend.de

Lisa, Mainz


Das Festival rückt näher, und inzwischen steht fest, zu welchen Themen politischen Runden stattfinden werden.

So steht beispielsweise eine der vier zentralen Runden unter dem Titel: „Alles muss man selber machen – Was NSU-Terror, Extremismusklausel und die Diskussion ums NPD-Verbot für unsere antifaschistische Arbeit bedeuten“:

Der NSU/VS Skandal hat gezeigt, dass man sich mit Nichten auf staatliche Strukturen bei antifaschistischer Arbeit verlassen kann. AntifaschistInnen werden bei jeder Aktion, Demo oder Veranstaltung Steine in den Weg gelegt, sie müssen sich mit dem Vorwurf, sie seien „Extremisten“ auseinandersetzen und sind in ihrer politischen Arbeit immer von Repressionen bedroht. Gelder für antifaschistische Arbeit werden mit der „Extremismusklausel“ gekürzt, während der Verfassungsschutz den Aufbau rechter Strukturen mitfinanziert.

Die Schwerpunkte der Podiumsdiskussion sind die Analyse von Naziaktivitäten und ihre Propaganda und wie wir als AntifaschistInnen darauf reagieren können. Dabei soll es sowohl um allgemeine Fragen, wie die Diskussion um das NPD Verbot und die Extremismusdebatte als auch um unsere konkrete Strategie gehen.

Ebenso wird es eine Diskussionsrunde zum Thema „Weniger Lohn, weniger Sicherheit, weniger Chancen – Die Erwerbssituation junger Frauen” geben:

„In unserer Gesellschaft gibt es nichts, was eine Frau nicht werden kann.“ Spätestens seit der Wahl Angela Merkels zur Bundeskanzlerin ist diese Meinung vorherrschend. Doch wie steht es wirklich um die Gleichberechtigung der Frau? Was für Chancen haben junge Frauen? In wieweit ist die Emanzipation der Frau im Kapitalismus überhaupt möglich? Was bedeutet der Kampf um die Befreiung der Frau für unsere konkrete politische Arbeit? Und sind es wirklich nur Frauen, die ein Interesse an der Verbesserung ihrer Situation haben?

Das und viel mehr wollen wir gemeinsam mit Erika Baum und einer erwerbstätigen Mutter diskutieren.

Auch die Lage von KollegInnen mit Migrationshintergrund wird von uns in der Runde „Rassismus im Betrieb? Nicht mit mir!“ diskutiert:

Gibt es Probleme, die vor allem oder ausschließlich unsere KollegInnen mit migrantischem Hintergrund haben? Welche sind das? Nutzen Vorgesetzte das aus? Wenn ja, wie und mit welcher Absicht?
Diese und weitere Fragen rund um das Thema Rassismus im Betrieb werden wir mit VertreterInnen der DIDF-Jugend und der Gewerkschaft diskutieren. Zusammen wollen wir Handlungsoptionen entwickeln, wie man sich erfolgreich dagegen wehrt!

Mehr Informationen und eine Liste aller politischen Runden findet ihr hier.