17. Februar 2016

Stefan Mayer, 20 Jahre alt, arbeitet bei einer städtischen Einrichtung im südddeutschen Raum im Hort.

Ich arbeite jetzt seit einem Jahr bei dieser städtischen Kita. Meine Arbeit macht mir Spaß, aber ich bekomme jeden Tag mehr Bauchschmerzen, weil die Arbeitsbedingungen für mich selber immer schlechter werden und ich mir schwer vorstellen kann wie ich später mit meinem Gehalt einmal eine Familie ernähren können soll. Aber auch, weil die Bedingungen für die Kinder, die ich betreue, immer schwieriger werden. Das liegt an dem zunehmenden Leistungsdruck, der von den Schulen kommt. Die Kinder müssen immer mehr können, wenn sie in die Schule gehen. Zeitgleich stellen wir aber fest, dass die Kinder von zu Hause immer weniger mitbringen. Es gibt viel mehr Eltern, die in Hartz IV leben müssen oder mit prekären Arbeitsbedingungen und die wegen des Arbeits- oder Ämterwahnsinns keine Zeit mehr haben, den Kindern eine ausreichende Förderung zu bieten.

Wir erleben eine sehr starke Selektion in arme und reiche Kindergärten. Kindergärten, in denen die Eltern sich engagieren, und das sind immer die Kindergärten, in denen Eltern Geld und Zeit haben sich einzubringen, bekommen ausreichend neue Ausstattungen und Förderungen. Kitas, in denen eher sozial schwache Familien oder Kinder mit Migrationshintergrund sind, bekommen gar nichts. Das äußert sich dann ganz konkret. Bei mir in der Kita haben wir Teppiche, die über zwanzig Jahre alt sind, und auf denen sieht man noch Pissflecken, die fast genauso alt sind. All das zusammen hat dann auch zur großen Streikbeteiligung im SuE-Streik 2015 geführt.

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