28. Januar 2016

Ein Augenzeugenbericht zur Lage in Syrien.

Wir erreichen mit dem Auto die Grenze zwischen dem Libanon und Syrien. Plötzlich ist alles dunkel. Keine Laterne leuchtet hier mehr, weit und breit kein Licht in einem Haus. Vermutlich hat das zwei Gründe: alles, was sich in der Nacht sehen lässt, ist ein mögliches Angriffsziel. Und der Strom fällt hier immer wieder aus. Wir fahren vorbei an ausgebrannten Fahrzeugen, an Bunkeranlagen und immer wieder an Kontrollpunkten des syrischen Militärs.

Jugendliche aus der Türkei, aus Palästina, aus dem Irak und einigen anderen Ländern sind Anfang Januar für drei Tage nach Damaskus, der Hauptstadt Syriens, gefahren, um sich ein eigenes Bild von der Situation in Syrien zu machen. In Damaskus konnte man erleben, wie wichtig dieses eigene Bild ist und wie wenig es damit zu tun hat, was uns die Nachrichten in Deutschland erzählen. Viele Frauen nehmen an dem Treffen teil, haben es mit organisiert und sind diskutieren sehr aktiv mit. Erstaunlich, haben doch angeblich die syrischen Flüchtlinge alle so ein reaktionäres Frauenbild.

Nur wenige Wochen vor der Reise schickt die Bundesregierung deutsche Soldaten nach Syrien, angeblich für den „Krieg gegen den Terror“. Gleichzeitig unterstützt sie sogenannte gemäßigte Rebellen gegen „Machthaber Assad“.

In Damaskus sind wir in einem Hotel in der Innenstadt untergebracht. Der Weg hierher war sicher, die Kontrollen locker, die Soldaten kaum bewaffnet. Es sind Kontrollen, bei denen unbewaffnete Soldaten Kinder auf den Arm nehmen und beruhigen. In der Stadt herrscht normaler Verkehr, Menschen gehen arbeiten, zur Schule und abends feiern. Aber der Krieg ist nah. Abends hört man die Explosionen nicht nur, man spürt sie auch.

Über 220.000 Menschen wurden bisher Opfer des Krieges. „Assad schlachtet sein Volk ab“, so oder so ähnlich lesen wir es immer wieder in den Schlagzeilen in Deutschland. Was wir nicht lesen: über 80.000 davon sind Soldaten und Polizisten. Über 20.000 Menschen wurden Opfer von Terroranschlägen. Zu den ersten militärischen Aktionen dieser Opposition zählte die gezielte Ermordung der wichtigsten Offiziere der syrischen Luftwaffe. Bei so vielen Toten der syrischen Armee wird deutlich:
Das ist ein Krieg zwischen verschiedenen bewaffneten Verbänden und nicht zwischen Regierung und Bevölkerung.

Hier wurden Kräfte wie der IS und andere Terrororganisationen von der Nato bewaffnet und finanziert, um den syrischen Staat zu zerschlagen. Menschen aus über 90 Staaten sind inzwischen in diesem Krieg beteiligt. Deutlich wird aber auch: all das konnte den Rückhalt der syrische Regierung in einigen Regionen nicht brechen. Das lässt sich nicht nur durch Repression erklären. Ein Schulsystem, in dem alle gemeinsam und weitestgehend kostenlos bis zur 12. Klasse zur Schule gehen und ein kostenloses Gesundheitssystem sind sicher nur zwei der Gründe dafür.

Wer etwas gegen Terror unternehmen will, muss gegen den Krieg der Nato eintreten, für einen sofortigen Stopp aller Waffenexporte und für die Souveränität des syrischen Staates. Dieser Krieg ist Terror und die Verantwortlichen für die 220.000 Toten sitzen u.a. in Berlin und in den zentralen deutscher Großkonzerne.

Max, Frankfurt

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