4. Dezember 2015

Oder: Wo ist eigentlich dieses Geld, das immer fehlt?

Ein neuer Phrasen-Star ist am Polit-Himmel erschienen! Neben dem Evergreen „Deutschland muss mehr Verantwortung in der Welt übernehmen“ und dem Neo-Ironismus „Es wird mit der SPD keine Asylrechtsverschärfung geben“ hat Mutti einen neuen Hit platziert: WIR schaffen das! Das bundesdeutsche WIR ist ebenso gespalten wie undefiniert. Applaudierende Helfer vs. prügelnde Mobs, Transitzonen vs. Finanzspritze vom Bund, Dublin II vs. Willkommenskultur – es ist kompliziert.

Während Super-Seehofer sich den Mund fusselig redet, dass der ganze Spaß so nicht funktioniert, ist Angie auf Promo-Tour bei ihrer Basis um diese davon zu überzeugen, dass es wohl funktioniert. Was in den Medien als Bewährungsprobe der kanzlerischen Amtszeit heraufbeschworen wird, hat neben allem Zwist und Pathos tatsächlich einen Haken: Das gute alte Geld. Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Und wenn stehlen: Wem? In der Koalition werden nach dem Beschluss der finanziellen Unterstützung der Kommunen durch den Bund schon die ersten Rufe nach Erhöhung des Renteneintrittsalters und anderer Klassiker laut. Nun, wenn Deutschland jetzt schon „Einig Helferland“ ist, hier meine Hilfe in Form von ein paar heißen Tipps, wo Geld zu holen wäre:

Der EU-Krisengipfel zur Flüchtlingspolitik stand unter dem Motto „Fluchtursachen bekämpfen“. Damit auch die Damen und Herren der Bundeswehr adäquat auf diese große Verantwortung vorbereitet werden, entsteht im sachsen-anhalt’schen Nichts bei Schnöggersburg ein Abenteuerland der Bundeswehr von neuer Qualität. Große und kleine Gebäude, U-Bahn-Tunnel, alles was das Truppenherz begehrt, um auf alles (inkl. Aufstände im eigenen Land) und jeden (z.B. „Flüchtlingsinvasionen“) vorbereitet zu werden. Aus den geplanten 100 Mio. Euro sind jetzt bereits 18 Mio. mehr geworden, die Eröffnung verschiebt sich auch, bisher um knapp 2,5 Jahre. Ob es etwas mit dem dort befindlichen Flughafen zu tun hat?

Denn auch damit kennt man sich ja aus. Irgendwie glaubt niemand mehr so richtig daran, dass das schwarze Loch aka BER jemals fertig wird und dort mehr passiert, als dass Geisterzüge zur Verhinderung von Schimmel in den Zugtunneln fahren. Die Parallelen zu Schnöggersburg sind ähnlich erheiternd wie frustrierend. Aber für Prestigeprojekte wie den BER oder die Elbphilharmonie lässt man auch gern einmal ein paar Milliönchen mehr springen.

„Solche Projekte sind ja das Gesicht der BRD nach außen!“ Aha? Nun, wenn’s der Gesichtswahrung dient, wollen WIR mal nicht so sein. Wie wäre es stattdessen mit einer anderen Quelle für das fehlende Geld? Wie WIR ja alle demutsvoll und dankbar duckend mitbekommen haben, ist das omnipräsente WIR gut durch die Krise gekommen. Wir, das ist an der Stelle das Kapital. Ein paar Beispiele gefällig? Reingewinn RWE 2014: 1,3 Milliarden, Reingewinn Deutsche Bank (trotz Imagemacken): 441 Mio. Euro. Die Allianz schaffte 2014 schlappe 10,4 Milliarden Euro Gewinn. Allein der Profit eines dieser Unternehmen würde dafür reichen, dass Mutti nicht mehr streicheln muss.

WIR halten fest: An Vorschlägen und Möglichkeiten kann es spätestens jetzt nicht mehr mangeln. Wohl bekomm’s, gern geschehen, weiter machen. WIR warten dann mal gespannt!

Lara, Berlin

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