Outingaktion der SDAJ München

Traumhaft klingt das Ausbildungsangebot, das NORMA auf seiner Internetseite anbietet. NORMA verspricht eine „abwechslungsreiche und vielseitige Ausbildungszeit“, eine „sehr gute Ausbildungsvergütung“ und eine „hervorragende fachliche Ausbildung“. Ein schlechter Witz, fragt man die Auszubildenden bei NORMA persönlich. Offiziell wirbt NORMA mit dem Spruch „Mehr fürs Geld“; und das darf man auch bitter ernst nehmen. Für die Azubis heißt das nämlich mehr Arbeitsstunden, mehr Zeitdruck und mehr Stress.

Diese miesen Ausbildungsbedingungen und Arbeitsverhältnisse hat die SDAJ München am 2. August öffentlich mit einer sogenannten Outing-Aktion angeprangert. Mit Schildern und Flyern wurde kurzerhand eine NORMA-Filiale am Rosenheimer Platz angeprangert und mit mehreren Redebeiträgen die mieserablen Bedingungen angekreidet.

Unbezahlte Überstunden stehen bei NORMA auf der Tagesordnung. Die Zeit nach Ladenschluss, in der für gewöhnlich der Laden aufgeräumt wird, wird weder in der Arbeitsplanung berücksichtigt – geschweige denn bezahlt; sie wird schlichtweg nicht aufgeschrieben. Zwei Stunden unbezahlt länger arbeiten ist keine Seltenheit. „Das ist auch nicht verwunderlich: Die Filialleitung plant schon mit einer Unterbesetzung, um Kosten zu sparen, damit an anderen Tagen mehr Personal genutzt werden kann, ohne extra Zahlungen leisten zu müssen oder gar über Neueinstellungen nachzudenken.“ erklärte eine Genossin in einem Redebeitrag. „Mein Chef will von den Überstunden gar nichts wissen. Öfter habe ich ihn darauf angesprochen, doch er sagt, das wäre ganz normal.“ berichtete zum Beispiel eine Auszubildende im Vorfeld. Auszubildende bei NORMA arbeiten oft ganz regulär in 10-Stunden-Schichten. In den Berichtsheften darf das natürlich nicht auftauchen. Berichtshefte zu fälschen, weil die Filialleitung auf die unbezahlten Überstunden der Azubis nicht verzichten will und sich auch jeden Ärger ersparen möchte, wird bei NORMA allgemein erwartet.

Super Aktion, endlich mal macht jemand was“. Diese und ähnliche Reaktionen bekamen wir von nahezu allen PassantInnen und KundInnen. Einige Anwohner aus den umliegenden Häusern kamen extra zu uns herunter um sich einen unserer Flyer zu holen. Auch die Beschäftigten der Filiale zeigten großes Interesse an der Aktion. Einzig die Filialleiterin stritt alles ab und versuchte uns von der NORMA-Filiale abzudrängen. Scheinbar hatten wir mit unserer Aktion einen wunden Punkt getroffen.

Aber unsere Aktion richtet sich nicht nur gegen eine einzelne Filiale oder gegen NORMA alleine. Dieser Konzern ist nur eines von vielen Beispielen welches für Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen steht und das hat System: Im Kapitalismus werden unsere Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen ständig von den Banken und Konzernen verschlechtert, um noch mehr Profit zu scheffeln. Deswegen fordern wir als SDAJ bundesweit zunächst ein Ausbildungsgesetz, das zum Beispiel das Verbot von unbezahlten Überstunden beinhaltet. Das Ausbildungsgesetz wird uns nicht einfach gegeben werden. Wir müssen gemeinsam dafür kämpfen. Organisieren wir uns und erstreiten wir uns gemeinsam das, was uns zusteht; zwingen wir die Ausbeuter zu einem Ausbildungsgesetz für uns! Letztendlich geht es also darum, dieses System zu überwinden und eine Gesellschaft nach unseren Interessen aufzubauen.

Bei der Aktion haben wir folgenden Flyer verteilt.

  Outing_Norma.pdf (2,1 MiB, 430 Downloads)